Brasiliana

Brasiliana

Glasperlenjazz am Do. 29. Oktober 2026 um 20:06

ich was not yet
in brasilien
nach brasilien
wulld ich laik du go

….so dichtete und sang Ernst Jandl schon.

Heute geht’s nach Brasilien und zu Antonio Carlos Jobim, dessen 100er wir am 25. Jänner feiern werden.

Ich fange schon jetzt damit an, weil es im Moment endlich wieder einmal zwei positive Signale für Demokratie und Freiheit gibt. Erstens den unglaublichen Sieg der Studentenbewegung in Serbien und zweitens den Sieg Präsident Lula`s über den Feigling Bolsonaro, der sich, wie ja bekannt sein dürfte, mittlerweile ohne Papiere in die USA abgesetzt hat. Dort gehört er ja sowieso eher hin, so wie Frau Kneissl nach Russland. Dass er trotzdem von 48% der Wähler gewählt wurde, ist die unverständliche Seite der Medaille. Sein Vater, dessen Geistes er auch ist, hat die Militärdiktatur in Brasilien ( 1964 mit Hilfe der USA gegen die demokratisch gewählte Regierung -  bis 1985!) wiederholt gelobt bzw. als Vorbild bezeichnet und sogar die Folterungen zu dieser Zeit gut geheißen. Dieses Vergessen oder auch Verdrängen der Vergangenheit ist ja auch Hierzulande bestens bekannt. Auch wo man es nicht vermutet. Heute wurde mir zum Beispiel von Menschen aus der slowenischen Volksgruppe erzählt, deren Angehörige in Lagern der Nazis landeten und andere zwangsausgesiedelt wurden und die dann mit großer Begeisterung Jörg Haider-Fans waren. Man fragt sich, was mit uns allen nicht stimmt….. Das könnte man jetzt als Hausaufgaben-Schlusswort so stehen lassen, aber jetzt kommt erst der Musik-Teil 😊

Antonio Carlos Jobim ist zweifelsohne der am meisten von Jazz-Musikern gespielte Komponist Brasiliens. Vor allem auch seine Musik war ausschlaggebend für den Trend des Bossa Nova, der in den späten 50-ern des letzten Jhds. entstand und mit dem Album Jazz-Samba von Charly Byrd und Stan Getz den bekannten Boom nicht nur in den USA einläutete.

Gibt’s natürlich auch in meiner Plattenkiste - da hab ich aber einen Bogen darum gemacht. Statt dessen hören wir Archie Shepp, Wayne Shorter, Dizzy Gillespie, Michel Petrucciani, Al Jarreau, Coleman Hawkins und Sebastiao Tapajos.

Heut möchte ich ausnahmsweise zum Thema einen Link anhängen: Den  „One Note Samba“ von Jobim kennt man ja; falls jemand diese Version von Catharina Valente mit Dean Martin nicht kennen sollte – sie ist sehr amüsant und lässt darüber sinnieren, was aus der Valente musikalisch hätten werden können, wenn………

https://www.youtube.com/watch?v=AuEv942wOZs&list=RDAuEv942wOZs&start_radio=1&rv=AuEv942wOZs

Womit wir bei der Hausaufgabe zurück wären, die da lautet: Warum setzt sich die Menschheit immer wieder so gerne in die gleichen, eigentlich wohl bekannt sein sollenden Ausscheidungshaufen und wie ließe sich dieses für die Zukunft vermeiden?

Se cuida!