Vive l’Europe! #90 - „Dem Sieger gehört die Beute“
»Zmagovalcu pripada plen« je izjava iz govora, ki ga je imel ameriški predsednik Donald Trump pred Generalno skupščino Združenih narodov. Ta misel je vzbudila veliko pozornosti, saj postavlja pod vprašaj temeljna načela mednarodnega prava in mednarodnega mirovnega reda. Kakšno vlogo imajo Združeni narodi v novem svetovnem redu? Kako je mogoče okrepiti mednarodno sodelovanje in kolektivno varnost? Poiskali bomo odgovore skupaj z Angelo Kane, nekdanjo visoko diplomatko Združenih narodov, pojasnili pa bomo tudi, katere reforme potrebujejo Združeni narodi in zakaj prav nestalne članice Varnostnega sveta OZN ponujajo nekaj razlogov za optimizem.
Diese Aussage des US-Präsidenten in der UNO-Generalversammlung stimmt nachdenklich und widerspricht im Kern jenen Prinzipien, auf denen die Sicherheits- und Friedensbemühungen der Vereinten Nationen basieren. Nun, es stellt sich die Frage: Wie steht es um die Rolle der Vereinten Nationen in den aktuellen geopolitischen Machtverschiebungen? Hat sie noch maßgeblichen Einfluss, oder werden ihre Aufgaben zunehmend von anderen Akteuren auf der Weltbühne vereinnahmt? Gibt es angesichts der immer stärkeren Polarisierung einen Hoffnungsschimmer? Was ist notwendig, um eine stabile Weltordnung zu schaffen oder zu bewahren? Angela Kane, ehemalige Diplomatin der Vereinten Nationen, bietet eine Einschätzung und Analyse der letzten 30 Jahre, bevor sie eine kritische Betrachtung der gegenwärtigen geopolitischen Lage vornimmt.
Was sich geändert hat in diesen 30 Jahren, ist die Tatsache, dass sich unsere Welt völlig umgestaltet hat. Während wir uns früher vorwiegend mit Kriegen befassten, sind heute weitere Bedrohungen für die geopolitische Sicherheit hinzugekommen. Denken Sie nur an den Klimawandel, denken Sie an künstliche Intelligenz und Cyberbedrohungen. Wir denken an Terrorismus, den Wettbewerb um Ressourcen, Migration und schließlich eine Bedrohung, die in den letzten Jahren exponentiell gewachsen ist: Und die sehe ich als autokratische und aggressive Regierungen. Dies alles hat auch die internationalen Organisationen verändert.
Und sie betont, dass die geopolitische Lage heute wesentlich kritischer zu betrachten sei als in den vergangenen Jahrzehnten:
Hier in Europa haben wir zu lange geglaubt, dass der Frieden und der Wille zur Kooperation ein Kontinuum ist das Jahrzehnte anhält. Ein Irrtum, der uns jetzt fordert, verstärkte Sicherheitsmaßnahmen mit stark erhöhten militärischen Ausgaben zu treffen. Der politische Rückzug der US-Regierung von der europäischen Bühne nach fast 8 Jahrzehnten kam unerwartet, und ich glaube, dass nur wenige die enormen Auswirkungen des russischen Einmarsches in die Ukraine hätten vorhersehen können. Er ist das jüngste Beispiel eines Konflikts zwischen Demokratien und Autokratien und hat den starken Wettbewerb zwischen starken Blöcken offengelegt. Auf der einen Seite die Vereinigten Staaten, auf der anderen China und Russland.
Aber wie hat sich diese Situation auf die Vereinten Nationen ausgewirkt? Lassen Sie mich ein markantes Beispiel nennen: die Abstimmungen in der UNO-Generalversammlung über den russischen Einmarsch in die Ukraine. Sie waren bemerkenswert. 141 Staaten stimmten dafür. Es sind 193 Staaten in der UNO, also praktisch 75%. Fünf waren dagegen, nicht so erstaunlich: Belarus, Eritrea, Nordkorea, Russland und Syrien. Und 35 Staaten enthielten sich der Stimme, und darunter vorwiegend afrikanische Länder, aber auch China, Indien, der Irak und Pakistan. Diese Staaten kehrten der internationalen Rechts- und Friedensordnung den Rücken und unterstützten nicht das von der UNO mit einem in der UN etablierten internationalen Sicherheitssystem, zu dessen Wahrung sie sich bei ihrem Beitritt verpflichtet hatten.
Das zeigt, dass viele Länder versuchen, sich der verschärfenden Konfrontation zwischen den USA und Europa einerseits, sowie China und Russland andererseits, zu entziehen, wobei Rechtsstaatlichkeit und Prinzipien wie die Wahrung der UN-Charta auf der Strecke bleiben. Angela Kane wirft nun die Frage auf, ob die Prinzipien der kollektiven Sicherheit noch zeitgemäß seien oder die tragenden Säulen der internationalen Beziehungen darstellten. Anhand von fünf Begründungen zeigt sie nun, welche neuen geopolitische Machtverschiebungen festzustellen sind:
Erstens, die NATO wurde 1949 gegründet, um kollektive Sicherheit gegenüber der Sowjetunion zu gewährleisten. Später breitete sie ihren Wirkungskreis global und auf andere Regionen, insbesondere Asien, aus, blieb jedoch ein westliches Militärbündnis, das allerdings jetzt durch Zweifel an Trumps Bündnistreue infrage gestellt wird.
Zweitens: Die während der bipolaren Ära der USA und der Sowjetunion entstandenen Gruppierungen, wie etwa die „blockfreie Bewegung“, verloren mit dem Wegfall dieser beiden Machtpole an politischem Gewicht.
Als Drittes seien die BRICS-Staaten erwähnt, eine Vereinigung von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, erweitert im Jahr 2023 um fünf neue Mitglieder: Argentinien, Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate und repräsentieren, so Angela Kane, heute 40 Prozent der Weltwirtschaft sowie die Hälfte der Weltbevölkerung.
Die Ausrichtung des BRICS-Gipfels im vergangenen Jahr in Kasan in Russland unter dem Vorsitz Putins war ein Affront gegen den Westen und signalisierte, dass der Ukrainekrieg zur neuen Normalität geworden war. Dennoch ist ungewiss, ob dieses lose Bündnis in der Lage ist, seine wirtschaftlichen und diplomatischen Bemühungen auf ein gemeinsames Ziel zu koordinieren. Das heißt, der politische Zusammenhalt, der politische Weg ist nicht vorgezeichnet. Der jüngste BRICS-Gipfel in Neu-Delhi hat dies erneut bestätigt. Eine Erklärung wurde angenommen von allen, aber sie enthielt weder Kritik noch konkrete Vorschläge zur Konfliktlösung. Es war die Rede von maximaler Mäßigung und ein Aufruf, um Dialog und Diplomatie für eine Verständigung einzusetzen.
Das Vierte ist die Gruppe der 20, die G20, setzt sich aus den 20 wohlhabendsten Ländern der Welt zusammen, sieht sich jedoch aufgrund unüberbrückbarer Differenzen hinsichtlich des russischen Krieges in der Ukraine mit internen Schwierigkeiten konfrontiert. Russland wurde nach 2022 nicht mehr eingeladen. Dieses Jahr allerdings hat der Gastgeber Trump den russischen Finanzminister zu einer Vorbereitungssitzung in North Carolina schon eingeladen. Er kam auch. Und es ist abzuwarten, ob weitere russische Minister zu den verschiedenen Vorbereitungstreffen eingeladen werden, bevor der G20-Gipfel im Dezember in Miami stattfindet. Trump hat allerdings bereits Putin eingeladen. Putin fliegt scheinbar nach Miami.
Das Letzte ist die Gruppe der Sieben, die G7, ein Zusammenschluss von Industrieländern. Aber sie tritt geschlossener auf und unterstützt das NATO-Bündnis und betrachtet Russland, das nach der Annexion der Krim 2014 von der Gruppe ausgeschlossen war – sie erinnern sich, das war früher die Gruppe der Acht – als Gegner sowie China als eigennützigen Konkurrenten.
Zu diesen fünf angesprochenen Machtverschiebungen in den internationalen Beziehungen seien noch weitere Faktoren zu ergänzen, nämlich die wachsende Allianz zwischen Russland und China:
Ein weiterer entscheidender Faktor in den Veränderungen der internationalen Beziehungen ist die Allianz zwischen Peking und Moskau. Vor der Invasion der Ukraine war Russland eine starke Mittelmacht mit einem überschätzten Militär, die jedoch ihr Vetorecht im Sicherheitsrat der UNO politisch höchst wirksam einsetzte, um zu signalisieren: Russland ist auf der Weltbühne eine feste Größe, ganz gleich, was geschieht. Die Annäherung an China und deren Unterstützung haben das Ansehen Russlands erheblich aufgewertet. So wurde die scharfe Verurteilung von Russland sowie die politische Isolation infolge des Einmarsches in die Ukraine gemildert. Russland wird jedoch in meiner Ansicht stark geschwächt aus diesem Krieg hervorgehen. Wir haben bereits die Abwanderung von Fachkräften ins Ausland aus Russland erlebt, zudem werden die Sanktionen der Wirtschaft weiter schaden und das Vertrauen in die Regierung untergraben. Auch wenn die letzten Wahlergebnisse, ich glaube, 98% für Putin lagen, aber es gab ja auch keine Gegenpartei. Die Einnahmen aus dem Ölgeschäft haben ihre Grenzen, auch wenn unbestritten ist, dass Russland durch seine Energieressourcen enorme finanzielle Gewinne erzielt. Russland, das sich meines Erachtens stets als Teil Europas und dessen Geschichte begriffen hat, hat sich rasch vom Westen ab- und China zugewandt.
Die neuen Machtblöcke und die enge Allianz zwischen Peking und Moskau prägen zunehmend eine neue Weltordnung. Prinzipien kollektiver Sicherheit werden geschwächt und der UN-Sicherheitsrat wird, was nun aufgezeigt werden soll, oft durch die Vetomächte blockiert. Die Russland-China-Allianz spiegelt sich etwa im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen so wider, …
… wo beide Länder ihre Positionen eng miteinander koordinieren. Zwar stimmen sie bei Resolutionen, insbesondere in der Ukraine-Frage, nicht immer identisch ab, wobei Russland sein Veto einbringt und China sich der Stimme enthält, jedoch ist es offensichtlich, dass das Abstimmungsverhalten ganz eng abgesprochen ist. Die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit zwischen China und Russland weitete sich bereits vor mehr als 10 Jahren auf den militärischen Bereich aus. Angetrieben durch die damalige Blockadehaltung im UN-Sicherheitsrat in der Syrienfrage. Die beiden Länder haben gemeinsame Militärmanöver abgehalten, darunter Marineübungen sowie Patrouillen und Flüge von Langstreckenbombern über dem Japanischen Meer und dem Ostchinesischen Meer. Sie erinnern sich, dass Russland ein ganz starker Verbündeter von Assad, dem syrischen Herrscher, war.
Und diese enge Beziehung wurde Anfang des Jahres von Außenminister Wang Yi auf seiner Pressekonferenz anlässlich des Nationalen Volkskongresses in Peking erneut unterstrichen. Er erklärte, China und Russland hätten stets ihre strategische Autonomie gewährt, die Kerninteressen des anderen respektiert und davon abgesehen, einander ihren eigenen Willen oder ihre eigene Agenda aufzuzwingen. Das ist genau wieder ein anderer Hieb gegen die Vereinigten Staaten. Zwischen China und Russland herrsche ein starkes gegenseitiges politisches Vertrauen, sagte er.
Die beiden Länder teilten weitgehenden Konsens und stimmten sich engstens strategisch ab, wenn es um die Wahrung internationaler Regeln und der internationalen Ordnung gehe, sagte Wang Yi, der Außenminister. China hat zudem deutlich gemacht, dass es keine Niederlage Russlands auf dem Schlachtfeld in der Ukraine wünschte. Dies teilte Außenminister Wang Yi der EU-Spitzendiplomatin Kaya Kallas bei seinem Besuch in Brüssel im Juli vergangenen Jahres mit. Es ist offensichtlich, dass Russland als Juniorpartner die globale Rolle Chinas und seinen Einfluss weiter stärkt, ein Gegengewicht zu den USA bildet und die jetzige Bipolarität zwischen den USA und China bestätigt.
Ein weiteres Faktum, dass den geopolitischen Umschwung stark beeinflusst, betrifft die Rolle des Völkerrechts und die Missachtung internationaler Abkommen und Verträge:
Globale Sicherheit und globale Zusammenarbeit basieren auf der Gesamtheit internationaler Abkommen und Verträge. Ihr Wert bemisst sich an der Einhaltung ihrer Bestimmungen. Verschwindet das Vertrauen darin, so gerät die Einhaltung ins Wanken und Ratifizierungen stagnieren oder werden sogar widerrufen. Wir scheinen uns in einer Zeit zu befinden, in der Kriegsverbrechen an Annexionen und Drohungen der Einverleibung ungestraft bleiben und die Regeln der Kriegsführung optional wurden. Generalsekretär Guterres sagte kürzlich in einem Interview mit einem Hinweis auf die tiefe geopolitische Spaltung zwischen Amerika und Russland/China, dass Supermächte ihre Grenzen erkennen sollten. Er verurteilte das jetzige Klima der Straflosigkeit und bemängelte, dass es in der internationalen Gemeinschaft kein Instrument gibt, das diejenigen bestrafen könnte, die nach dem Recht des Stärkeren handeln und die Grundprinzipien einfach beiseiteschieben. Nur einen Tag später nach diesem Interview, das war im September, hielt Präsident Trump seine Rede vor der Generalversammlung und erklärte nach Aufzählung seiner Angriffe und Eroberungen vollmundig: „Dem Sieger gehört die Beute.“ Das ist ein Zitat vor der Generalversammlung.
Ein weiterer Aspekt, der zu Einschränkungen der globalen Sicherheitsordnung führt, betrifft den „Niedergang der Demokratie“ wie er im globalen Kontext feststellbar ist und verheißt nichts Gutes, so Angela Kane:
Nach dem Demokratieindex der britischen Wochenzeitschrift Economist leben 42% der Weltbevölkerung in einer Demokratie. 42%! Aber nur 15% in einer vollständigen Demokratie, zum Beispiel in den 5 Staaten Skandinaviens wie auch Neuseeland. Die USA, Indien, Brasilien sind unvollständige Demokratien. Zu Hybridregimen gehören Mexiko, die Türkei und die Ukraine. 36% der Menschheit leben in einer Diktatur. Autokraten, Tyrannen und absolute Herrscher sind auf dem Vormarsch. Der demokratische Rückbau setzt sich unvermindert fort und es kommt zu immer mehr Konflikten. Dies verheißt nichts Gutes für die globale Sicherheitsordnung.
Welcher Staat oder welche Gruppe von Staaten wäre bereit oder auch in der Lage, die Initiative zu ergreifen, eine globale Agenda voranzutreiben und die internationale Ordnung aufrechtzuerhalten. Ja, es gibt sie durchaus, die Staaten der EU, Kanada, Neuseeland, Australien, andere. Mark Carney, der kanadische Premierminister, hat sie als Middle Powers gekennzeichnet und ihnen Handlungsspielraum eingeräumt. Die globale Sicherheitsordnung wird allerdings schwächer. Diese Entwicklung ist bereits seit geraumer Zeit erkennbar und hat in den fortgeschrittenen Industrieländern zu einer Ernüchterung der Bevölkerung geführt, da Zusammenhalt und Globalisierung sich nicht zu ihren Gunsten ausgewirkt haben. Diese Tendenz ist ganz deutlich an den Wahlergebnissen sichtbar, wo linksextreme Parteien die Rückwanderung von Migranten und deren kulturelle Anpassung fordern.
Soweit jene Einschätzungen, die Kane im Rahmen eines Vortrages analysierte. Mit Blick auf die Zukunft wirft sie die Frage auf: Welche Entwicklungen sind in den nächsten 25 Jahren zu erwarten?
Zunächst einmal ist Sicherheit nicht auf den militärischen Aspekt beschränkt. Sie umfasst weitere Dimensionen, darunter menschliche, ökologische, nationale, transnationale und transkulturelle Sicherheit sowie gute Regierungsführung. Daran mangelt es auch oft. Und auch Sicherheit durch Gerechtigkeit, Ausbildung, Arbeitsplätze. Lassen Sie mich hinzufügen, dass das System der Vereinten Nationen auf multilateraler Sicherheit beruht, die alle diese Dimensionen umfasst. Der Begriff global kommt in der UN-Charta nicht vor. Ich verstehe ihn als umfassender, da er geografische Grenzen überschreitet und nicht zwangsläufig an eine nationale Bindung geknüpft ist, wie dies bei der multilateralen Sicherheit der Fall ist. Der im September 2024 von den UN-Mitgliedsstaaten verabschiedete Pakt für die Zukunft hat in seinem Kapitel über die Transformation der globalen Governance einen Beitrag zur Debatte geleistet. Er verweist auf die beispiellose Belastung, unter der das multilaterale System steht, und skizziert Handlungsansätze, die Verben wie neu beleben, reformieren, stärken, Anstrengungen verstärken, reagieren, verwenden, wobei sich vieles davon jedoch eher auf die Ziele der nachhaltigen Entwicklungsziele, SDGs, auf die Bewältigung von Kriegen und Konflikten konzentriert. Es bleibt abzuwarten, ob der Pakt für die Zukunft, der ist gerade mal 2 Jahre alt, in den kommenden Jahren umgesetzt wird oder ob er in einer Schublade landet und Staub sammelt. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte der Vereinten Nationen, denn eine statistische Erhebung, welche Vorsätze in einem solchen Pakt implementiert werden, findet nicht statt. Denn welcher Staat will schon öffentlich kritisiert werden? Der Pakt war ein starkes Signal der Unterstützung der Organisation und des Multilateralismus, ein Hoffnungsschimmer in einer immer stärker polarisierenden Welt.
Und noch weitere Hoffnungsschimmer benennt die ehemalige UNO-Diplomatin Angela Kane, vor allem, was die zukünftige Bedeutung und Rolle des UN-Sicherheitsrates betrifft:
Die Welt erwartet vom Sicherheitsrat mehr Einsatz und das prinzipielle Eintreten für die in der Charta verankerten Grundwerte. Es geht nicht nur um Ukraine und Gaza, es geht auch um den Sudan, Myanmar, Jemen, Iran und Haiti. Es geht um die Rechte der Frauen in Afghanistan, nur um ein paar Beispiele zu nennen. Die Versäumnisse des Rates tragen dazu bei, dass das Völkerrecht auseinanderbricht, nicht mehr als globale Weltnorm geschätzt und geschützt wird. Verstöße und Straflosigkeit werden normalisiert und somit wird die Universalität der Normen weiter geschwächt. Wie hoch sind die politischen Kosten von Gräueltäten? Mittlerweile erschreckend niedrig, sogar in Fällen von Völkermord. Sollten nicht die vollen 5 Kernmitglieder des Sicherheitsrats für die Grundrechte eintreten? Leider ist das nicht oder nicht mehr der Fall.
Ich möchte jedoch eine positive Entwicklung im Rat erwähnen, und das ist die Rolle der 10 gewählten Mitglieder, worunter jetzt auch Österreich ist, das im Januar angefangen hat, Österreich im Sicherheitsrat zu repräsentieren. Und diese gewählten Mitglieder, die 10 gewählten Mitglieder, schließen sich mehr und mehr zusammen, um Resolutionen vorzuschlagen und durchzusetzen. Und das gibt mir wieder Hoffnung auf den Multilateralismus.
Und, es stellt sich abschließend die Frage, welche zukunftsweisenden Perspektiven ergeben sich für die UNO um die internationale Sicherheit zu stärken?
Was uns die 31 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt haben, ist Folgendes: Der Multilateralismus entwickelt sich nicht im Vakuum. Es ist ein Produkt der geopolitischen Situation, der strategischen Überlegungen der Staaten, die Vorherrschaft zu behalten, herauszufordern oder zu gewinnen. Das Modell internationaler Politik, friedliche globale Zusammenarbeit, ist nuancierter geworden. Demokratisch geführte Staaten sind jetzt, wie ich bereits erklärte, in der Minderheit. Und dies ist der Trend, der sich leider in den letzten Jahren verstärkt hat und der in meinen Augen auch weiterhin noch bestehen wird. Ist es also hoffnungslos? Ich sehe 3 Möglichkeiten. Erstens: Der Erfolg des Engagements und der Initiativen, die von den 10 Gewählten mit in den Sicherheitsrat eingebracht wurden. Sie haben Resultate erzielt, nicht nur mit, aber manchmal auch gegen die P5 (fünf ständigen Mitglieder). Und das ist ein wichtiges Signal. Der Generalsekretär als Zweiter sollte eine stärkere politische Rolle spielen. Er hat die Möglichkeit, nach Artikel 99 der Charta den Sicherheitsrat auf Situationen hinzuweisen, die eine Bedrohung des internationalen Friedens darstellen. Dieser Artikel ist sehr selten angewendet worden, weniger als man an einer Hand abzählen kann. Man hört viel über die Arbeit der UNO im humanitären Bereich, in Flüchtlingsfragen, aber in der internationalen Politik ist es still um die Vereinten Nationen geworden, und das muss sich ändern. Drittens: Die UNO-Generalversammlung muss mehr Verantwortung für den internationalen Frieden übernehmen. Sie macht es sich zu einfach, dem Sicherheitsrat, der ja deutlich gespalten ist, immer nur den Vortritt zu lassen.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, neue Institutionen zu schaffen, die den veränderten geopolitischen Machtstrukturen Rechnung tragen. An dieser Stelle möchte ich eine neue Initiative erwähnen, die zum Auftakt der jetzigen UNO-Generalversammlung von Brasilien, Kanada, der Europäischen Union und Kenia gestartet wurde. Die Initiative mit dem Titel „Partners for Multilateralism“ zielt darauf ab, die internationale Zusammenarbeit bei Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Regulierung künstlicher Intelligenz und der nachhaltigen Entwicklung zu vertiefen und gleichzeitig das Bekenntnis zum Völkerrecht und den Vereinten Nationen zu bekräftigen.
Es bleibt abzuwarten, ob diese Initiative wie auch andere Optionen Erfolg haben. Warten wir auf die Wahl einer neuen Generalsekretärin, die am 1. Jänner 2027 ihre Amtszeit beginnt und diese Herausforderungen energisch angreift. Wir müssen alles tun, was förderlich ist für die globale Sicherheit und die 8 Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Hoffen wir, dass die internationale Gemeinschaft in Zukunft mehr Wille zur Zusammenarbeit und dem Multilateralismus zeigen wird.
V svetu, ki ga vse bolj zaznamujejo geopolitične spremembe, avtoritarne oblasti in vse pogostejše nespoštovanje mednarodnega prava, se Združeni narodi soočajo z velikimi izzivi. Nekdanja diplomatka OZN dr. Angela Kane kritično ocenjuje stanje mednarodnega varnostnega reda.
Kane pojasnjuje, kako so se v zadnjih desetletjih spremenile globalne grožnje. Poleg oboroženih konfliktov imajo danes pomembno vlogo tudi podnebne spremembe, kibernetske grožnje, umetna inteligenca in tekmovanje za naravne vire. Ruski napad na Ukrajino ter vse izrazitejše nasprotovanje med ZDA, Kitajsko in Rusijo razkrivata naraščajoče napetosti med svetovnimi silami.
Delovanje Varnostnega sveta OZN pogosto ohromijo nasprotujoči si interesi petih stalnih članic. Medtem pridobivajo pomen nova in obstoječa zavezništva, kot je skupina držav BRICS, tesnejše sodelovanje med Kitajsko in Rusijo pa dodatno spreminja svetovna razmerja moči.
Sogovornico skrbi svetovni upad demokracije. Kljub temu vidi možnosti za okrepitev mednarodnega sodelovanja. Upanje polaga predvsem v deset nestalnih članic Varnostnega sveta OZN, ki vse pogosteje združujejo moči pri predlaganju in uveljavljanju skupnih pobud.
Prihodnost globalne varnosti bo v veliki meri odvisna od pripravljenosti mednarodne skupnosti, da ponovno okrepi sodelovanje in večstranski mednarodni sistem, zaključi Angela Kane.
Kurzbiografie:
Dr.in Angela Kane ist eine ehemalige hochrangige Diplomatin der Vereinten Nationen mit über 35 Jahren fundierter Erfahrung in politischen Angelegenheiten. Sie war in New York sowie im Außeneinsatz in Äthiopien und Eritrea, der Demokratischen Republik Kongo, Indonesien und Thailand tätig. Sie ist Professorin an der Schwarzman/Tsinghua-Universität in Peking und an der Paris School of International Affairs (Sciences Po). Bis August 2024 war sie als Senior Advisor bei der Nuclear Threat Initiative in Washington tätig, wo sie sich auf globale Katastrophenrisiken konzentrierte. Sie ist Vizepräsidentin des International Institute for Peace in Wien und Senior Fellow am Vienna Center for Disarmament and Non-Proliferation. Zu ihren weiteren Funktionen zählen die Mitgliedschaft als Senior Network Member im European Leadership Network sowie der Vorstandsvorsitz bei Partnership on AI. Sie ist Vorstandsmitglied einer Reihe gemeinnütziger Organisationen in Europa, den Vereinigten Staaten und Asien, wobei ihr Schwerpunkt unter anderem auf geopolitischen Entwicklungen, Rüstungskontrolle und den Auswirkungen von Technologie, insbesondere künstlicher Intelligenz, liegt.
Der Vortrag von Dr. in Angela Kane zum Thema „Macht und Ohnmacht internationaler Organisationen: Gelingen Reform und ein neuer Anfang?“ wurde am 6. Oktober 2026 gehalten und vom Wissenschaftsverein Kärnten - Landschaft des Wissens und in der Pädagogischen Hochschule Kärnten organisiert. Weiterführende Informationen zu Vortragsreihen sind verfügbar unter: https://landschaftdeswissens.at/veranstaltungen/
Weiterführende Informationen zu „Partners for Multilateralism“ sind verfügbar unter: https://www.consilium.europa.eu/en/events/p4m-summit/
BRICS ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der ersten fünf Mitgliedsstaaten und ist eine informelle Vereinigung von Staaten. Gegründet 2009 als BRIC durch Brasilien, Russland, Indien und die Volksrepublik China erfolgte 2010 die Erweiterung um Südafrika. 2024 kamen Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate hinzu, 2025 Indonesien, weshalb die Vereinigung auch als BRICS plus bezeichnet wird.