v.l.n.r.: Lena Schilling (c) EU, Gregor Schamschula (c) Konstantin Kraus, Christian Salmhofer (c) Günter Krammer

v.l.n.r.: Lena Schilling (c) EU, Gregor Schamschula (c) Konstantin Kraus, Christian Salmhofer (c) Günter Krammer

Vive l’Europe! #91 – »Auf all das sind wir noch nicht vorbereitet«

Der Klimawandel ist längst keine bloße Bedrohung der Zukunft mehr. Extrem heiße Sommer, Dürren, Überschwemmungen und extreme Wetterereignisse beweisen uns jedes Jahr aufs Neue, dass die Klimakrise hier und jetzt stattfindet. Doch wie haben wir uns in den Jahrzehnten seit den ersten wissenschaftlichen Warnungen von der Bewusstseinsbildung zu tatsächlichen Maßnahmen bewegt?

Med tem ko Evropska komisija pripravlja nov celovit zakonodajni okvir za podnebno odpornost, se odpira vprašanje, kako hiter in učinkovit bo prehod od besed k dejanjem.

V današnjem prispevku gostimo strokovnjaka za podnebne spremembe in poslovodjo Klimabündinsa Kärnten, Christiana Salmhoferja; okoljskega pravnika iz Ökobüroja Gregorja Schamschulo,  ter okoljsko aktivistko in evropsko poslanko Leno Schilling.

Christian Salmhofer se spominja začetkov v 90. letih, ko je bilo treba javnosti šele pojasnjevati osnovne pojme povezane s klimatskimi spremembami.

Das Klimathema ist natürlich jetzt in aller Munde. Die Hitze im Sommer ist ein extrem deutliches Signal, dass es Wetterlagen gibt, die wirklich außerhalb der Erfahrungswerte sind. Und in den 90ern, als ich begonnen habe, ist es ja eher darum gegangen, den Leuten zu erklären, was ist der Treibhauseffekt, warum ändert sich das Klima durch die fossilen Brennstoffe. Also man hat eher Aufklärungsarbeit machen müssen. Die Wissenschaft ist sich inzwischen ja zu 100% einig, dass der Mensch das Klima ändert. In den frühen 90er Jahren, 80er Jahren, da hat man gesagt, wenn die Temperatur global um 1 Grad steigt, dann sind wir uns ganz sicher, dass der Mensch sozusagen die Ursache ist. Inzwischen sind wir ja bei 1,5 Grad und das geht jetzt natürlich die nächsten Jahrzehnte weiter, weil das CO2 geht ja nicht weg, sondern jeden Tag, was da CO2 dazu kommt, das geht wie eine Schicht für Schicht immer mehr und mehr, denn die Verarbeitung sozusagen im Ökosystem Planet Erde ist viel langsamer, als der Mensch sich denkt. Also es ist nicht so, dass wenn wir morgen aufhören mit der Verbrennung von fossilen Brennstoffen, also Erdgas, Kohle und Benzin, also Erdöl natürlich, und dann auch wenn wir das jetzt auf null bremsen, es bleibt einfach drinnen, was wir die letzten 100 Jahre da reingeschüttet haben in die Atmosphäre.

Also nach diesen Jahrzehnten der Aufklärung und auch, will ich sagen, der Datensicherung, weil natürlich die Wissenschaft lebt ja von Fakten und nicht von Fake News oder irgendwelchen Gerüchten, die irgendwo gesetzt werden. Und das eigentlich Erstaunliche ist, dass wir jetzt die Fakten wirklich so am Tisch haben, dass kein Mensch mehr eigentlich diese Beweislage nicht akzeptieren kann. Und trotzdem gibt es durch diese Fake-News-Programme ich will nicht sagen der ölgetränkten Lobbyisten, das fängt beim Trump an und hört beim Putin auf, dass die Leute mehr oder weniger mit sehr, sehr eigenartigen Nachrichten die Leute verwirren, verunsichern und dadurch die Diskussion manchmal in eine extreme Polemik führt, wo eigentlich jeder Wissenschaftler nur mehr den Kopf schütteln kann. Und deswegen ist unser Hauptaugenmerk derzeit auch mit den seriösen Fakten Aufklärung zu betreiben.

 

Navkljub dolgoletnim opozorilom strokovnjakov in znanstvenikov, Christian Salmhofer opaža, da je v Evropi soočanje s podnebnimi spremembami pospremljeno z nepripravljenostjo in celo presenečenjem.

Ich glaube, das Problem liegt eher daran, dass bis jetzt, will ich sagen, die westliche Welt eher gedacht hat: „Wir werden ja nicht so betroffen sein wie die armen Länder im Süden“. Da hat es ja immer schon verschiedene Dürren gegeben, Überschwemmungen, Bangladesch, Afrika und so weiter. Wir haben immer geglaubt, das ist irgendwo außerhalb unserer Region. Inzwischen sind die Temperatursignale natürlich relativ stark und die ersten Auswirkungen treffen jetzt sozusagen in Europa ein. Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren. Also man sieht wirklich, dass das jetzt direkt ins Wirtschaftssystem Europas eingreift, und da ist die Gesellschaft fast ein bisschen überfordert, diese Zusammenhänge plötzlich vor Ort zu sehen und nicht außerhalb von Europa. Wir waren uns eigentlich, oder zumindest die Durchschnittsbevölkerung war sich sicher, ja, ja, das wird uns nicht betreffen. Zum Beispiel haben so Politiker gesagt, ja, ja, wir werden da nicht so Probleme haben, weil uns schützen die Karawanken, wenn jetzt zum Beispiel vom Mittelmeer Tiefdruckgebiete kommen. Also sehr absurde Aussagen, die in Gemeinderäten und verschiedenen Gremien immer wieder mal gefallen sind. Natürlich auch eher von der politisch rechten Seite, die ja so sagen: „Den Klimawandel gibt es ja gar nicht“, aber die Temperaturmessungen und die Satelliten und so weiter, die haben eine klare Bestandsaufnahme.

Die Klimagerechtigkeit war halt früher auch immer eher die Diskussion, wie helfen wir dem Süden, gegen den Klimawandel anzukämpfen, oder die Regenwaldzerstörung. Diese Begriffe waren die letzten 30 Jahre immer wieder im Vordergrund, also außerhalb von Europa. Aber jetzt kommt das zu uns, und jetzt gibt es natürlich ein bisschen einen gewissen Schockzustand.

 

Evropska poslanka Lena Schilling pa poudarja, da poletni ekstremni dogodki zahtevajo celostne rešitve, ne le delnih ukrepov.

Wir sehen gerade schon, wie groß die Dringlichkeit in Fragen Klimaresilienz ist. Die Klimakrise ist schon lange Realität und wir haben sie diesen Sommer so am eigenen Leib erleben können: Hitzewellen, Waldbrände, Dürren und Überschwemmungen. Und auf all das sind wir noch nicht vorbereitet, neben den ganzen Kosten, die dabei entstehen. Von der Leyen hat dann als Reaktion auf diesen extremen Sommer einen Hitzeplan angekündigt. Jetzt muss sie aber auch liefern. Wir brauchen nicht nur bessere Frühwarnsysteme, eine gestärkte Krisenversorgung, sondern wir brauchen wirklich einen ganzheitlichen Weg. Weil wenn wir uns anschauen, was die Konsequenzen für Landwirtinnen und Landwirte, für ältere Personen, für junge Menschen, die in die Schule gehen sind, dann wird Frühwarnsystem nicht genug sein, sondern wir brauchen ganz klare Lösungen.

 

Poleg  posledic za okolje in ljudi, imajo podnebne spremembe tudi izjemno visoko ekonomsko ceno. Lena Schilling pri tem navaja konkretne številke o gospodarski škodi in vplivu na zdravstveni sistem

Wenn es um die Klimakrise geht, dann sprechen wir viel zu oft nur über CO2-Emissionen, Temperaturanstieg und Kennzahlen. Aber dahinter stehen Realitäten, Realitäten von Menschen, aber auch ökonomische Realitäten. Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben bei Sigrid Stagl, einer Universitätsprofessorin aus Wien, die festgestellt hat, dass bis 2050 über 5 Billionen Euro Produktionsverluste in der EU entstehen können. Wenn wir über ein Szenario reden von 3 Grad Erderwärmung, geht es um einen Rückgang des EU-Bruttoinlandsprodukts um rund 10%. 10% Rückgang, das ist wahnsinnig viel. Wenn wir über Kennzahlen reden, dann könnten wir zum Beispiel betonen, dass jeder Euro, der gerade beim Klimaschutz gespart wird, 4 bis 10€ an Folgekosten, die wir dann investieren müssen, tatsächlich vermeiden kann. Seit 1980 sind durch Extremwetter in Europa 738 Milliarden Euro Schäden entstanden. Wir müssen über die ökonomische Seite reden, aber auch über die Folgen für Menschen. Es sind durch die Veränderungen des Klimas, also klimabedingte Gesundheitsfolgen, bis zu 80.000 Todesfälle jährlich und 400 Milliarden Euro Kosten, weil unser Gesundheitssystem diese Krise abfedern muss. Unser Gesundheitssystem, in dem Pfleger und Pflegerinnen arbeiten. Unser Gesundheitssystem, das durch solche Krisen plötzlich vor enormen Herausforderungen steht. Bis 2040 geht es um 2 bis 5 Millionen Arbeitsplätze in der EU, wenn nicht gegengesteuert wird.

All das tritt jetzt schon ein. Und dagegen können wir was tun. Wenn nicht aus Klimagründen, dann zumindest aus ökonomischen.

 

Rešitve pa ne zahtevajo le politične volje, ampak tudi ustrezne pravne okvire, ki si jih Evropska unija prizadeva ustvarjati. Okoljski pravnik Gregor Schamschula iz organizacije ÖKOBÜRO pojasnjuje, kako pravno svetovanje pomaga nevladnim organizacijam in državljanom pri uveljavljanju okoljskih standardov.

Wir machen rechtliche Beratung der Öffentlichkeit, von Umweltschutzorganisationen, von Bürgerinitiativen, und wir versuchen, die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Umweltbewegung sich einbringen kann, damit sie ihre Expertise einbringen kann und den Umweltschutz fördern kann. Das heißt, wenn jetzt neue Methoden und neue Toolboxes kommen, die die Öffentlichkeit unterstützen können, dann werden wir auf jeden Fall versuchen, dieses Wissen hinauszutragen und die Öffentlichkeit dabei zu unterstützen, das Beste für die Umwelt zu erreichen. Klimaresilienz ist ja kein rechtlich definierter Begriff, sondern ist ein Leitbild, das ist eine Fülle an Maßnahmen, die notwendig sind. Sehr spannend wird einfach sein, welcher Werkzeuge sich die Europäische Union hier bedient. Wir haben auch gleichzeitig ja den Umwelt-Omnibus laufen, bei dem die Europäische Kommission mehrere Umweltrichtlinien verändern will, beeinflussen will, vielleicht zusätzliche Regelungen schaffen will. Und da wird viel die Frage sein, wie das dann alles zusammenspielt und wie hier die verschiedenen Regeln aufeinander abgestimmt sind. Ich hoffe stark, dass das geltende Naturschutzrecht, also vor allem die FFH- und die Vogelschutzrichtlinie, aber auch die Wasserrahmenrichtlinie, unverändert gelten bleiben, weil die als wirklich absoluter Kern des EU-Naturschutzrechts eine absolut wesentliche Rolle spielen, um unsere Biodiversität zu schützen, unsere Natur zu schützen, und die sind immerhin unser engster Verbündeter beim Kampf gegen die Klimakrise und dementsprechend auch wichtig für die Resilienz gegen die Klimakrise.

 

Katere izzive vidi pri uveljavljanju EU okoljskih direktiv?

Die größte Herausforderung in dem Bereich sehe ich darin, dass die Europäische Kommission unter dem Stichwort Klimaresilienz ganz viele verschiedene Maßnahmen hat und nur für manche von diesen Maßnahmen ist die EU auch selbst zuständig. Wenn wir also jetzt an das allgemeine Umweltrecht denken, das stützt sich auf Artikel 191 des AIUV. Hier ist sie für die Vorsorge, Vorbeugung und Bekämpfung von Beeinträchtigungen zuständig. Aber bei anderen Bereichen, wie zum Beispiel beim Katastrophenschutz, hat die EU nur unterstützende oder koordinierende Maßnahmenkompetenz. Das heißt, bei vielen Dingen ist die EU nur teilweise zuständig und Klimaresilienz betrifft ganz viele Bereiche. Und hier wird die EU sich sehr gut überlegen müssen, was für Maßnahmen sie selber treffen kann und welche Maßnahmen sie nur unterstützen, koordinieren kann, vielleicht einen Austausch von Best Practice schaffen und so weiter. Eine große Frage wird natürlich auch die Finanzierung sein, also wie sehr kann die Europäische Union hier auch finanziell die Staaten dabei unterstützen, sich auf die Klimakrise und ihre Auswirkungen vorzubereiten. Wenn wir jetzt etwa daran denken, dass das LIFE-Programm, und das ist immerhin das wesentlichste Naturschutzprogramm in dem Budget der Europäischen Kommission, abgeschafft werden soll, dann stellt sich hier groß die Frage, wer hier überhaupt diese Maßnahmen dann noch umsetzen soll, die nicht im Kernbereich der Europäischen Union sind, weil eigentlich die EU hier mit Förderungen in den letzten Jahrzehnten einiges ermöglicht hat und die Finanzierung ab 2027 völlig ungeklärt ist.

 

Na področju okoljske pravičnosti in klimatske odpornosti bo potrebno dobro vzpostaviti in kasneje pravno uporabiti tudi koncept nosilcev tveganj – torej kdo nosi odgovornost za okoljska tveganja.

Das Konzept der Risikoverantwortlichen, also den Risk Owners, ist ja auch wieder keine rechtliche Haftungsregel. Das ist ein Governance-Begriff. Also das ist die Frage, wer die Verantwortung trägt und wer hier mit einklagbaren Pflichten bedacht wird. Eine große Frage ist hier: Geht es hier um die Haftung des Staates gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürgern? Oder geht es hier um die Frage des privatrechtlichen Verschuldens, also im Bereich der Haftung von Unternehmen zum Beispiel? Prinzipiell ist es so, dass sich aus der Judikatur jetzt schon eine Schutzpflicht des Staates aus vorhersehbaren Naturgefahren ergibt. Das haben wir ganz klar schon gesehen. Das hat der EGMR auch schon anerkannt. Das hat er mit dem Klimaseniorinnen-Urteil auch quasi über weite Strecken einklagbar gemacht. Und die rechtliche Herausforderung wird jetzt sein, die Zuständigkeiten so klar durchzuweisen, dass die Verantwortung auch klar benannt wird. Das heißt: Wann ist eine Gemeinde verantwortlich, wann ein Bundesland, wann ist der Bund verantwortlich, wann sind Unternehmen verantwortlich? Ich denke hier auch an Unternehmen, die im staatsnahen Bereich unterwegs sind. Das heißt, es muss ganz klar geregelt werden, welches Verhalten von welcher Ebene getragen werden muss, welche Pflichten welche Ebene betreffen. Und diese Verantwortung muss klar benannt werden, um eine rechtliche Durchsetzbarkeit zu bekommen.

Die rechtliche Durchsetzbarkeit fordere ich jetzt nicht nur ein, weil ich Jurist bin, sondern weil es eine klare rechtliche Zuständigkeit braucht, um diese Ebenen auch dazu zu bringen, hier aktiv zu werden. Weil nur wenn sie wissen, dass sie im Fall, dass etwas nicht funktioniert, zur Verantwortung gezogen werden, spüren sie auch den Druck, das wirklich ordentlich umzusetzen. Das stärkste Druckmittel, das die Europäische Union hat, ist natürlich das Vertragsverletzungsverfahren. Das heißt, die Kommission kann einen Mitgliedsstaat vor den Europäischen Gerichtshof bringen und der kann diesen Mitgliedsstaat dann verurteilen, Zwangsgelder, die vor allem so lange fortgezahlt werden müssen, bis der Umstand beseitigt ist, zu zahlen. Das betrifft aber nur die Maßnahmen, die auch wirklich in der Kernkompetenz der Europäischen Union liegen. Das heißt, dort, wo sie nur begleitend, koordinierend, beratend tätig ist, dort gilt das überhaupt nicht. Das ist das erste Problem. Und die zweite Einschränkung ist, dass es nur dort funktioniert, wo die Europäische Union sich mit einem politischen Rückenwind versehen sieht, weil die Entscheidung, das Ganze zum EuGH zu bringen, ist am Ende des Tages eine politische Entscheidung. Das heißt, oft ist es darauf angewiesen, dass die Durchsetzung von unten erfolgt, das heißt, dass die Zivilgesellschaft, dass Umweltschutzorganisationen, dass einzelne Bürgerinnen und Bürger Sachen angreifen, national versuchen, Dinge durchzusetzen, vor ein nationales Gericht bringen und diese nationalen Gerichte das dann dem EuGH vorlegen.

Da gibt es berühmte Beispiele, in Luftreinhaltung war das zum Beispiel Janecek. Es gibt aber auch andere Urteile, wo der EuGH auf Zuruf eines nationalen Gerichts erst diese Verletzungen von Unionsrecht geltend gemacht hat und die Staaten hier zum Handeln zwingt. Fraglich ist das natürlich bei den Bereichen, wo die Europäische Union keine Kernkompetenz hat, also wo das eine Lücke ist, die die Staaten betrifft. Gerade im Klimabereich kann man hier natürlich an die Klimaklagen denken. Das heißt, in Österreich haben wir zum Beispiel den Fall Milner gegen Österreich. Das ist eine Klimaklage, die 2021 eingereicht worden ist, wo es genau um diese Frage geht: Wie können hier staatliche Pflichten menschenrechtlich durchgesetzt werden, wenn es sonst keine anderen Möglichkeiten gibt? Und eine große Pflicht wird sicher der Zivilgesellschaft zukommen, den Staat hier so unter Druck zu setzen, dass er seine Schutzpflichten ernst nimmt.

Gregor Schamschula z vdika okoljskega prava izpostavlja tri ključne zahteve za prihodnjo Evropsko podnebno politiko in zakonodajo: izvršljivost, naravne rešitve in preglednost.

Also als Umweltjurist wünsche ich mir vor allem eine rechtliche Durchsetzbarkeit und verbindliche Pflichten im Bereich des Klimaschutzes. Das heißt reine Empfehlungen, reine Koordinierende Tätigkeiten bringen uns nicht weiter, sondern nur dort, wo wir wirklich Einzelpersonen oder Personengruppen, wo wir Umweltschutzorganisationen durchsetzbare Rechte geben, dort können wir auch wirklich weiterkommen. Oft sind bestimmte Maßnahmen im Klimaschutz politisch schwer durchzubringen und es braucht einfach ein gerichtliches Urteil, um sagen zu können, welche Rechte und Pflichten es hier gibt. Und immerhin geht es ja um den Schutz der gesamten Bevölkerung, das heißt, das sind keine Partikularinteressen, sondern das sind die Interessen von uns allen und wir alle müssen auch die Rechte bekommen, um genau das durchzusetzen. Zweitens hätte ich gesagt, dass man naturbasierten Lösungen einen Vorrang geben muss. Das heißt, wir brauchen mehr grüne Infrastruktur, weniger graue Infrastruktur. Wir müssen die Wiederherstellungsverordnung ernst nehmen, wir müssen die Verpflichtungen aus der Wasserrahmenrichtlinie ernst nehmen und wir müssen gemeinsam mit der Natur gegen die Klimakrise kämpfen und sie nicht gegeneinander ausspielen, weil das bringt am Ende niemandem etwas. Das heißt, ich finde, die Möglichkeiten, die wir haben, müssen einfach da sein, müssen genutzt werden. Und das bringt mich zur dritten und letzten Forderung, nämlich Transparenz und Rechtsschutz.

Diese ganzen Daten und Pläne müssen öffentlich zugänglich sein. Die Betroffenen und die Umweltorganisationen müssen die sehen können, müssen sie überprüfen lassen können und müssen sie im Zweifelsfall auch durchsetzen können. Das heißt, die Öffentlichkeit wird hier in der Praxis eine ganz, ganz wichtige Rolle spielen, nämlich genau hinzuschauen, das zu analysieren und dann die möglichen und notwendigen Schritte auch rechtlich durchsetzen zu können. Das ist in manchen Staaten sehr gut gelöst, in manchen Staaten ist es sehr schlecht gelöst. Österreich ist leider eher beim Letzteren. Das neue Klimagesetz wird zum Beispiel keine durchsetzbaren Rechte beinhalten, so wie dieser Entwurf derzeit aussieht, und das ist natürlich verheerend, weil genau das wäre die Möglichkeit gewesen, dem Klimaschutz doch noch irgendwie eine rechtliche Kraft zu geben.

 

A kljub pravno odprtim vprašanjem rešitve in tehnologije za zeleni prehod že imamo, izpostavlja Christian Salmhofer.

Ganz klar muss man ausdrücken: Gott sei Dank gibt es die EU, denn die kann natürlich Regelwerke bestimmen, die dann im nationalen Recht implementiert werden müssen. Den Klimawandel können wir nicht nationalstaatlich lösen. Man braucht da wirklich eine große Umstellung der Wirtschaft, weil wie soll die Resilienz gelingen, wenn wir zum Beispiel nicht total auf die Elektrifizierung setzen? Also das sind jetzt— die Technik hat sich in den letzten 20 Jahren unheimlich entwickelt, also die Kreativität der Menschen ist ja fantastisch. Man denke jetzt an Windkraft, Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse. Also wir haben alle Technologien, die wirklich uns sozusagen retten. Man sieht das ja auch in China und so weiter, was die derzeit an Innovationen auf den Weltmarkt bringen. Überall, ob das jetzt in Kalifornien ist und in Spanien, öffentlicher Verkehr, Zug, Koralmtunnel zum Beispiel, wäre auch ein kleines Beispiel, wie wir vielleicht Klimaresilienz in Zukunft haben können, weil man braucht nicht mehr mit dem Auto über die Pack fahren. Und diese Dinge positiv zu besetzen, das ist natürlich jetzt schon auch die Verantwortung vor Ort von uns allen. Und nicht zu sagen, Österreich ist ein Verbrennerland oder irgendwas, wo eben die Automobilindustrie, die sich nicht rechtzeitig umgestellt hat auf die E-Mobilität, die mit auch mit so eigenartigen Fake News immer wieder gesagt haben, die E-Mobilität funktioniert nicht.

 

Inzwischen ist das Geschichte. Also das wird einfach die Zukunft sein. Gegen die Physik können wir nicht ankämpfen. Man kann es zwar versuchen — der Physik ist es komplett egal, was der Mensch da macht. Die Physik wird uns den Weg weisen. Deswegen brauchen wir einen klaren Weg, und dieser Ausweg ist eben nur mit erneuerbarer Energie und mit Hilfe dieser Rahmenrichtlinien von der EU gehbar. Man kann ja nicht diese— das Verbrennerverbot ist eigentlich, muss man gar nicht juristisch machen, sondern die E-Mobilität wird sich wirklich aus der Effizienz und aus der Physik heraus durchsetzen und nicht durch Verbote. Obwohl das Verbot notwendig ist, denn die Industrie muss sich ja auch orientieren und sagen, okay, 2035 müssen wir dort und dorthin, und bis dorthin ist das ein klarer Weg, und dafür brauchen wir die gesetzlichen Rahmen, dann muss das so sein.

 

V kompleksih sistemih, kot je tudi EU, se pogosto soočamo s političnim paradoksom – na eni strani rešujemo posledice podnebnih sprememb, na drugi pa še naprej vlagamo v fosilna goriva. Lena Schilling.

Und genau dieses Doppelszenario, von einer Seite zu sagen, wir brauchen jetzt Adaptionsmaßnahmen, wir müssen jetzt Klimaresilienz finanzieren, weil die Krise eben da ist und wir was tun müssen, aber gleichzeitig zu sagen, na ja, aber Geld für Klimaschutz so langfristig ist nicht da. Und das ist ja einfach nur absurd. Einerseits werfen wir weiter Holz und Benzin ins Feuer und es wird immer größer. Aber die Leute, die drumherum stehen, ja, Bei denen müssen wir uns überlegen, wie wir die kühl halten, statt einfach auch mal anzufangen, dieses Feuer, das fossile Anzünden auf der ganzen Welt einzudämmen.

 

In prav to nas pripelje do pomembnega vprašanja: ali res potrebujemo nove zakone, ali pa moramo le dosledno izvajati tiste, ki jih že imamo?

Wir brauchen gerade noch nicht mal über neue Maßnahmen reden. Das, was wir machen müssen, ist die alten Maßnahmen, die, die wir schon lange beschlossen haben. Ordentlich umzusetzen in allen Nationalstaaten, von Renaturierung bis Adaptionsmaßnahmen. Wir müssen halt einfach mal was tun und nicht die nächsten Jahre, pardon, damit verscheißen, darauf zu warten, dass es immer schlimmer wird.

 

Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind klar. Die Europäische Union wird mit ihrem Rahmen für Klimaresilienz zwar Leitlinien vorgeben, aber wie unsere heutigen Gesprächspartner betonen, liegt die Lösung der Klimakrise nicht nur in neuen europäischen Richtlinien, sondern in der konsequenten Umsetzung bereits beschlossener Maßnahmen und Verpflichtungen.

Vsak člen v verigi boja za podnebno pravičnost je pomemben - Od lokalnih pobud, ki jih zastopa Christian Salmhofer prek organizacije Klimabündnis, trdnih pravnih vzvodov in boja za pravice, za katere se zavzema Gregor Schamschula iz organizacije ÖKOBÜRO, pa vse do političnega pritiska znotraj EP Lene Schilling. Čas za odlašanje je potekel, podnebno odporne družbe ne bodo zgradile le obljube, temveč dejanja.

 

Oblikovanje I Gestaltung: Nika Škof & Neža Katzmann Pavlovčič

Die Sendung wurde in Zusammenarbeit mit Euranet Plus – dem führenden Radiosender für europäische Nachrichten – produziert.

Oddajo pripravljamo v sodelovanju z Euranet Plus – vodilno radijsko mrežo za evropske novice.

 

Kurzbiografien:

Lena Schilling, geboren 2001 in Wien, ist eine österreichische Klimaaktivistin und seit dem 16. Juli 2024 die jüngste Abgeordnete im Europäischen Parlament. Schilling begann schon in jungen Jahren mit ihrem politischen Engagement und wurde durch ihre Beteiligung an der Fridays-for-Future-Bewegung bekannt. Schilling ist Mitbegründerin des österreichischen Jugendrats und organisiert die Besetzung der Baustelle des Wiener Lobautunnels.  Neben ihrem Politikwissenschaftsstudium an der Universität Wien schrieb Lena Schilling eine wöchentliche Kolumne in der Kronen Zeitung und veröffentlichte 2022 das Buch „Radikale Wende – Weil wir eine Welt zu gewinnen haben“. Im Europäischen Parlament sitzt Lena Schilling für die Grünen in den Ausschüssen für Transport und Umwelt und setzt sich dort für Klima- und Umweltgerechtigkeit, Naturschutz und eine sozial gerechte Verkehrswende ein.  

Mag. Christian Salmhofer (15.12..63 , Weiz)  Entwicklungshelfer in Österreich, beschäftigt sich seit 1987 mit dem Problem „Treibhauseffekt“, Studium "Geographie" mit Diplomarbeit über "Klimamodelle. Seit 40 Jahren engagiert für verschiedene NGOs wie "amnesty international", Friends of the Earth (FOE), SOL, Bündnis für Eine Welt, Agrarbündnis, Bio Ernte, etc. Arbeitet seit 1992 für das Klimabündnis, Steiermark (bis 1995) seither Geschäftsführer von Klimabündnis Kärnten.

Gregor Schamschula ist der Geschäftsführer bei ÖKOBÜRO - Allianz der Umweltbewegung. Er ist seit über 10 Jahren als Umweltjurist tätig und behandelt dabei als Schwerpunkte die Öffentlichkeitsbeteiligung, Wasser-, Naturschutz- und UVP-Recht.