(c) Arnold Prenner

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Zweimal Japan und retour

Liebe Freund*innen, Hörer*innen und Japaner*Innen

Heute im Glasperlenjazz gibt es eine Themenerweiterung zu Gilbert Waldners Sendung vor einigen Wochen, in der er neue CD´s von zwei in Europa lebenden japanischen Pianistinnen vorgestellt hat. Nachdem ich suchend nach einem Sendungsthema für diese Woche darüber gestolpert bin, dass eben dieser Donnerstag ein „Womens Day“ sei, musste ich erst mal eruieren, was das jetzt überhaupt ist, denn den Weltfrauentag haben wir doch schon Monate hinter uns. Gut/ oder schlecht? – wie auch immer; eine Frauenzeitschrift mit eben diesem Namen, soll vor Jahren den (vor allem Textil-) Handel dazu aufgerufen haben, durch eintägige Nachlässe die Umsätze in der Herbstzeit zu pushen. Der ist da gerne aufgesprungen und so gibt’s heute im Zeichen des Konsumrausches in vielerlei Läden Nachlässe für Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts. Ist zwar etwas diskriminierend uns Männern gegenüber, aber angesichts des „Gender Pay Gap“s hat noch niemand rechtlichen Einspruch dagegen erhoben. Das Geld auf dem Sparbuch bringt eh nichts ein und vielleicht kommt übermorgen schon der Russ`, also lebe der Cash-Flow hoch!

Bevor ich jetzt beginne abzuschweifen… Da gebar ich die Idee zu einer Sendung mit Frauenüberhang. Nach einer kurzen Wühlphase in meinen musikalischen Neuzugängen war da einiges zu finden. (Der Frauenanteil im Jazz scheint mir (ohne jetzt echt „belastbare“ Daten zu haben) in letzter Zeit doch deutlich anzuziehen, was ich für sehr schön und auch notwendig erachte! ) Und da drunter dann gleich zwei Oktober-Neuerscheinungen von Duetten zweier japanischer Pianistinnen, was wie angesprochen natürlich perfekt als Quasi-Reihe in Verlängerung zu Gilbert Waldners Sendung passt.

Damals stellte sich übrigens die (unbeantwortet gebliebene) Frage, warum denn gar so viele japanische Jazz-Pianistinnen in Europa anlanden? Nach etwas Recherche ist die Antwort auf der Hand liegend: Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg war es für die sowieso sehr kunstsinnigen Japaner der Mittelklasse fast ein gesellschaftliches MUSS, sich mit europäischer klassischer Musik zu beschäftigen und vor allem Mädchen (so ab 3-4 Jahren Alter) ein oder mehrere Musikinstrumente lernen zu lassen. Dazu kam der kometenhafte fertigungsmäßige Aufstieg der Fa Yamaha mit ihrer verhältnismäßig günstigen, aber trotzdem sehr hochwertigen Klavier-Fabrikation, die flächendeckend praktisch jede Musikschule im Land neu ausstattete, und diesen Trend nicht ganz uneigennützig enorm förderte.

So, jetzt gab es also jede Menge an top ausgebildeten junge Pianistinnen, denen das Korsett der klassischen Piano-Literatur zu eng wurde. Viele davon sind zum vertiefendem Studium dieser Musik nach Europa gekommen und begeistert vom doch (noch) ziemlich freiem künstlerischem Umfeld und der großen Anzahl der Auftrittsmöglichkeiten bei diversen Festivals etc. auch geblieben. Nicht zu vergessen der Boom der sogenannten „Weltmusik“ ab Ende der Sechziger, der nicht nur seichte Vermantschung, sondern auch durchaus tolle Ergebnisse hervorbrachte und heute in einer gewissen Normalität angelangt ist.

Donnerstag also die Vorstellung einer neuen CD der in Dänemark lebenden Makiko Hirabayashi im Duo mit dem Percussionisten Tomoo Nagai (und einem hölzernem Saal) in den Bergen Fukoshimas. Womit wir auch beim Thema wären: Fukoshima, das Beben und die Flut mit den bekannten Folgen. Westlich gesehen wäre da jetzt eine Erzählung herausgekommen. Hier erleben wir aber eine nicht erzählende, nicht wertende Verschmelzung von Ort, Zeit und Erinnerung, wie sie nur östliches Denken hervorbringen kann. Die andere Seite der japanischen Pianistinnen-Medaille dieses Abends prägt  die auch hierzulande durch fleißige Konzerttätigkeit bestens bekannte, in Berlin lebende Aki Takase, die uns mit Daniel Erdmann ein Album namens „Timeless“ beschert.  Die Elastizität von Zeit wird hier mal sehr lustvoll angetestet. Das soll noch größer werden in Zukunft. Ein generationenübergreifendes „Timeless Orchestra“ ist in Planung! Da steht noch Großes ins Haus. Inzwischen noch einen schönen Donnerstagabend mit den spannenden Neuerscheinungen

Salut

Arnold